Warum dauert es so lange, bis eine Frozen Shoulder ausgeheilt ist?

So urplötzlich wie eine Schultersteife oder "Frozen Shoulder" auftreten kann, so viel Zeit und vor allem Geduld benötigt sie meist, bis sie wieder weg ist.

Auch als "adhäsive Kapsulitis" bekannt, ist diese Erkrankung der Schultergelenkkapsel für Betroffene und Ärzte immer wieder eine große Herausforderung.

Der Auslöser ist oft unbekannt und somit bietet sich kein geeigneter Ansatzpunkt für eine Behandlung. Die rätselhafte Schultergelenkserkrankung kann jeden treffen, am meisten tritt sie allerdings bei Frauen mittleren Alters auf.

Bei einer Schultersteife können Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit für Monate eingeschränkt sein.

Die Schultersteife ist eine biologische "Panne"

Sie wachen eines Morgens mit furchtbaren Schmerzen in Ihrer Schulter auf, können sich aber an keine Verletzung oder falsche Bewegung erinnern?

Dies könnte der Beginn einer Frozen Shoulder sein.

Die meisten Betroffenen können im Nachhinein keine Ursache für ihre Schmerzen benennen. Viele vermuten, dass es sich bei der Frozen Shoulder um eine Folge von Überlastung handeln könnte.

In einigen Fällen mag dies zutreffen, häufig ist allerdings gerade das Gegenteil verantwortlich für die Probleme, nämlich die Ruhigstellung nach einem Eingriff oder einer Verletzung.

Daneben kann auch durch ein Trauma - selbst ohne Ruhigstellung durch eine Armschlinge - im Nachhinein eine Schultersteife auftreten.

Wer leidet typischerweise unter einer Schultersteife?

Frauen sind sehr viel häufiger von einer Frozen Shoulder betroffen als Männer, ungefähr 70% der Patienten sind weiblich. Das höchste Risiko scheint in der Altersgruppe zwischen 40 und 60 Jahren vorzuliegen.

Spezialisten haben herausgefunden, dass Hormone eine große Rolle bei der Entstehung der Schultersteife spielen. Viele Fälle treten beispielsweise gleichzeitig mit dem Beginn der Perimenopause, Menopause oder am Ende einer Hormonersatztherapie auf.

Die genaue Pathophysiologie ist jedoch noch nicht bekannt.

Daneben scheinen Stoffwechselstörungen das Risiko für eine Frozen Shoulder zu erhöhen.

Bei bis zu 20% der Diabetiker tritt beispielsweise eine Schultersteife auf.

Auch ein Zusammenhang mit Schilddrüsenstörungen oder lokalen Stoffwechselstörungen der Schulter wurde beobachtet.

Laut Statistiken erkranken die Betroffenen nicht zweimal an derselben Schulter, allerdings erleiden mindestens 15% der Patienten auch einen Ausbruch am gegenüberliegenden Schultergelenk.

Welche Arten der Schultersteife gibt es?

Es gibt zwei verschiedene Formen der Schultersteife:

Primäre (idopathische) Frozen Shoulder

Die primäre adhäsive Kapsulitis tritt überwiegend ohne eine bekannte Ursache auf. Falls die Betroffenen doch einen Auslöser bestimmen können, handelt es sich meistens um eine leichte Verletzung, die schon einige Zeit zurückliegt. Sie ist am weitesten verbreitet und tritt häufiger am nicht-dominanten Arm auf.

Sekundäre Frozen Shoulder

Die sekundäre adhäsive Kapsulitis ist die Folge einer anderen Erkrankung, Verletzung oder einer Operation an der Schulter.

Die sekundäre Frozen Shoulder hat oft einen längeren Verlauf und eine etwas geringere Selbstheilungstendenz. Gelegentlich ist eine operative Behebung der Ursache nötig, sofern die Schultersteife nach einem vorherigen Eingriff auftritt.

Was sind die Symptome einer vereisten Schulter?

Eine Frozen Shoulder bemerken die meisten Menschen daran, dass sie bei bestimmten Bewegungen (beispielsweise ein rascher Griff nach einem Objekt) oder sogar in Ruhe anfängt, zu schmerzen.

Der starke Schmerz führt im Verlauf dazu, dass die Betroffenen ihre Schulter im Alltag immer weniger einsetzen, wodurch das Schultergelenk langsam versteift.

Die Frozen Shoulder verläuft normalerweise in Phasen, während derer sich die Symptome unterscheiden können.

Die drei Phasen der Schultersteife

Die Phasen der Schultersteife lassen sich von der Anatomie Ihrer Schulter ableiten (siehe die komplexe Struktur Ihrer Schulter hier).

Schultergelenk

Die Sehnen, Bänder und Knochen sind von zähem Bindegewebe - der Schultergelenkkapsel - umgeben. Damit Sie Ihre Schulter schmerzfrei bewegen können, produziert die Gelenkschleimhaut Synovialflüssigkeit, sogenannte "Gelenkschmiere". Bei der Schultersteife stimmt das reibungslose anatomische Zusammenspiel jedoch nicht mehr:

Erste Phase - "Freezing" oder Einfrierphase

Durch die Entzündung unbekannter Ursache verdickt sich die Synovialmembran im Laufe der Einfrierphase.

Dadurch bilden sich Verklebungen im Schultergelenk und die Gelenkkapsel schrumpft.

In der Folge kann jede Bewegung der Schulter äußerst schmerzhaft sein. Vor allem nachts können die Betroffenen oft kaum schlafen. Dieses Stadium kann mehrere Wochen oder sogar bis zu neun Monate dauern.

Am Ende dieser Phase beginnt das Schultergelenk, zu versteifen, sodass der Bewegungsspielraum immer kleiner wird.

Zweite Phase - "Frozen" oder eingefrorene Phase

In dieser Phase bessert sich scheinbar die Schmerzsymptomatik.

Allerdings verschlimmert sich die Steife und der Bewegungsumfang der Schulter nimmt deutlich ab.

Die Schulter wirkt nun tatsächlich wie "eingefroren" und alltägliche Aktivitäten können schwierig bis unmöglich erscheinen.

Mit dem Nachlassen der Schmerzen ist es nun jedoch möglich, das Schultergelenk wieder vorsichtig zu mobilisieren. Diese Phase kann von vier Monaten bis zu ungefähr einem Jahr dauern.

Dritte Phase - "Thawing" oder Auftauphase

Während der letzten Phase der Frozen Shoulder kehrt die normale Beweglichkeit des Schultergelenks langsam zurück.

Die Schmerzsymptomatik kann gelegentlich wiederauftreten, während die Steifigkeit der Schulter abnimmt.

Mit der Zeit erlangen die meisten Patienten die volle Beweglichkeit des Schultergelenks zurück. Die Auftauphase dauert in der Regel länger als die beiden vorherigen Phasen.

Zwischen einem kurzen Zeitraum von fünf Monaten bis hin zu mehreren Jahren ist alles möglich.

Kurz nach der Ausheilung der Erkrankung ist ungefähr die Hälfte der Betroffenen schon wieder schmerzfrei und hat einen normalen Bewegungsumfang.

Wie wird eine Schultersteife diagnostiziert?

Wenn Sie unter Schmerzen und Steifigkeit in Ihrer Schulter leiden, suchen Sie am besten möglichst schnell einen Arzt auf.

Die Frozen Shoulder ist oft eine Ausschlussidagnose.

Neben einer ausführlichen Bildgebung mittels MRT, Ultraschall und Röntgen, um Verletzungen der Rotatorenmanschette oder andere Pathologien auszuschließen, kann der Arzt Ihren Bewegungsumfang messen.

Können Sie beispielsweise die gegenüberliegende Schulter nicht mit der Hand berühren, ist Ihr Schultergelenk in seiner Beweglichkeit deutlich eingeschränkt.

Vor allem der passive Bewegungsumfang ist bei der Schultersteife vermindert, eine Abduktion (seitliches Abspreizen) des Armes bis zur Horizontalen beispielsweise ist dann nicht mehr möglich.

Wie "taut" man eine vereiste Schulter auf?

Jede Phase der Schultersteife kann Monate oder sogar Jahre dauern.

Da noch nicht ausreichend verstanden ist, wie die Erkrankung entsteht und warum ihr so eine lange Genesungszeit folgt, ist das Behandlungsrepertoire begrenzt.

Der Schwerpunkt liegt daher auf der symptomatischen Behandlung. Neben einer Schonung werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt.

Gelegentlich kommen auch Kortison-Injektionen in Frage.

In späteren Phasen, sobald der Bewegungsschmerz etwas nachgelassen hat, wird mit der Wiederherstellung von Beweglichkeit und Kraft begonnen.

Universell wirksam ist jedoch keines der gegenwärtigen Behandlungsmodelle. Einzig eine Operation muss normalerweise nicht sein, da sich die Frozen Shoulder in der Regel mit der Zeit
bessert (bei mehr als 90% der Patienten).

Allerdings ist das für Betroffene nur ein schwacher Trost, da der Heilungsprozess mehrere Jahre dauern kann - von mindestens eineinhalb bis in Ausnahmefällen sogar fünf Jahren und länger.

Die Frozen Shoulder scheint derzeit noch ein ungelöstes klinisches Problem zu sein. Es gibt erheblichen Bedarf an weiterer Forschung und vor allem der Entwicklung wirkungsvoller Behandlungsmethoden.

Was, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich an einer Schultersteife leide?

Die Frozen Shoulder wird von vielen Ärzten erst spät erkannt, da die Phasen oft schleichend ineinander übergehen.

Bis die Diagnose gestellt wird, durchlaufen viele Patienten eine regelrechte Wartezimmer-Odyssee. Zudem kann eine gut gemeinte Physiotherapie in der ersten, schmerzhaften Phase der Schultersteife kontraproduktiv sein.

Da weder Röntgenbilder noch Ultraschall bei der Diagnose hilfreich sind, müssen oft erst alle anderen Krankheitsbilder ausgeschlossen werden, bevor eine Schultersteife diagnostiziert werden kann.

Mögliche Differentialdiagnosen sind beispielsweise eine Kalkschulter, Schulterarthrose oder ein Impingement-Syndrom. Wenn Ihr Arzt keine Verletzung oder andere Ursache für Ihre Schulterbeschwerden findet, wird die Diagnose einer Frozen Shoulder wahrscheinlich.

Oft beginnt für Sie dann eine schmerzhafte und anstrengende Zeit mit vielen schlaflosen Nächten - in der Regel heilt eine Schultersteife allerdings irgendwann ganz von selbst wieder aus.

Essentiell bei diesem Krankheitsbild ist vor allem viel Geduld.

photo credit: EUSKALANATO SORBALDA AURR1 via photopin (license)
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